»Ich widerspreche ausdrücklich all denjenigen, die behaupten, Typographie müsse sich unterordnen, leise sein und sie hätte keinen Bezug zum sprachlichen oder emotionalen Inhalt eines Textes. Genau das Gegenteil ist real. Ein Buchstabe ist keinesfalls kategorisch unbedeutend. Die Wahl der richtigen Schrift und deren mikrotypographischer Implementierung kann äußerst produktiv sein oder ziemlich genau das Gegenteil bewirken. Ein Liebesgedicht von Rilke und die Betriebsanleitung für einen Handy sind zweierlei. Werkdruckpapier und ein VGA-Monitor sind zweierlei. Theorie und Praxis sind zweierlei. Tut mir leid meine Herren, die Erde ist rund und die Typographie bricht gerade aus dem Getto des Stehkragenproletariats aus!«

Wolfgang Beinert, Grafikdesigner, 2003